Pascha

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Pascha

Beitragvon medicus » So 27. Mär 2016, 10:21

Nachdem an anderer Stelle das Thema zur Deklination von "pascha" bereits diskutiert wurde, interessiert mich, welche Form des Grußes zu bevorzugen ist:
Hilarem Pascham! oder Hilare Pascha! :roll:
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Re: Pascha

Beitragvon medicus » Mo 28. Mär 2016, 17:56

Da keiner antwortet, wird es wohl wurscht sein :lol:
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Re: Pascha

Beitragvon Prudentius » Mo 28. Mär 2016, 19:35

Das Fest des "Vorübergehens", hebr. pesach, m., wird in der Septuaginta als Pascha (pas-cha) wiedergegeben und als Neutrum behandelt; wünsche also "Hilare pascha!", es ist ja noch nicht zu spät, :) .
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Re: Pascha

Beitragvon marcus03 » Mo 28. Mär 2016, 19:50

Prudentius hat geschrieben:wünsche also "Hilare pascha!",

Hoffentlich hat das keine juristischen/iurisconsultinischen Konsequenzen. ;-)
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Re: Pascha

Beitragvon medicus » Mo 28. Mär 2016, 20:09

Prudentius hat geschrieben:"Hilare pascha!", es ist ja noch nicht zu spät, .

Das Fest des "Vorübergehens", hebr. pesach, m., wird in der Septuaginta als Pascha (pas-cha) wiedergegeben und als Neutrum behandelt; wünsche also "Hilare pascha!", es ist ja noch nicht zu spät, :) .


Et ego opto vos hilare Pascha celebravisse!
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Re: Pascha

Beitragvon iurisconsultus » Mo 28. Mär 2016, 20:26

marcus03 hat geschrieben:Hoffentlich hat das keine juristischen/iurisconsultinischen Konsequenzen. ;-)

Das hat es natürlich nicht, mag auch die Vulgata (auch) das Feminimum verwenden (s. Johannes 12/1: https://www.bibelwissenschaft.de/online ... 0c46c3b3d/) :D
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Re: Pascha

Beitragvon marcus03 » Mo 28. Mär 2016, 20:35

iurisconsultus hat geschrieben:mag auch die Vulgata (auch) das Feminimum verwenden

Damit hat sich die Vulgata meine Restsympathie endgültig verscherzt.
Werde die Dekanonisierung des Hl. Hieronymus beantragen. ;-)

PS:
Bald könnte die Bild titeln:
Heiliger stolpert über Ostern. Umstrittenes Genus kostet nun Heiligenschein. Papst war für Neutrum. :lol:
Zuletzt geändert von marcus03 am Di 29. Mär 2016, 10:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pascha

Beitragvon iurisconsultus » Di 29. Mär 2016, 09:53

Auch dem (Sprach-)Gelehrten Erasmus von Rotterdam scheint der "Genusfehler" bei der Überarbeitung der Vulgata nicht aufgefallen oder vernachlässigbar zu sein, obwohl er den Originaltext zu Grunde gelegt hat (s. abermals Joh 12, 1 in Novum Testamentum Omne (1519) S 220: https://archive.org/stream/novumtestame ... 0/mode/2up). Einen besseren Gewährsmann kann ich mir gar nicht wünschen. :D
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Re: Pascha

Beitragvon marcus03 » Di 29. Mär 2016, 10:14

iurisconsultus hat geschrieben: Erasmus von Rotterdam scheint der "Genusfehler" bei der Überarbeitung der Vulgata nicht aufgefallen oder vernachlässigbar zu sein,


Oder er konnte seinen latenten Hang/Drang zum Weiblichen wieder einmal nicht unterdrücken. ;-)
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Re: Pascha

Beitragvon iurisconsultus » Di 29. Mär 2016, 11:26

Für mich ist noch die Frage offen, ob die altgriechischen Genera regelmäßig ins Lateinischen übernommen worden sind, denn es ist ja häufig so, dass das Genus eines Nomens in der Zielsprache eine Änderung erfährt. Auch in der Septuaginta wurde (letztlich) aus hebr. פֶּסַח (m) altgr. πάσχα (n), wie Prudentius aufgezeigt hat. Es muss ja einen Grund für die Entstehung der lat. Form pascha, ae geben. Oder sucht man denselben vergeblich? In diesem Fall betrachtet meine Frage als gegenstandslos. :D
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Re: Pascha

Beitragvon consus » Di 29. Mär 2016, 12:39

iurisconsultus hat geschrieben:... Es muss ja einen Grund für die Entstehung der lat. Form pascha, ae geben. Oder sucht man denselben vergeblich? ...
Salve, Iurisconsulte!
Es sei die Vermutung gewagt, dass es sich bei pascha, ae um eine vulgäre Nebenform handelt. Eine solche Nebenform gibt es z. B. auch von plasma, atis n., wie wir dem Georges s. v. plasma entnehmen können: plasma, ae f. im Carmen apologeticum des Commodianus (5. Jh.?).

Zur Ergänzung hier ein Auszug aus dem berühmten Antibarbarus der lat. Sprache von J. Ph. Krebs (Darmstadt 1984, Nachdr. der 7. Aufl. Basel 1905, Bd. II, S. 252):
Pascha ist sowohl in der Bedeutung von Osterfest als Osterlamm im Nomin. und Accus. stets generis neutr., z. B.: erat proximum Pascha, festus dies ludaeorum, Vulg. bei Joann. 6, 4 und 11, 55. Was die Flexion betrifft, so bildet es den Genitiv regelmässig nach der 1. Deklination: Paschae, z. B. Vulg. bei Luc. 2, 41, Joann. 19, 14, August, opp. ed. Benedict. X, 546 und V, 916, Tertull. adv. lud. 10 g. E., Ambros. epp. 1 class. epp. 23, n. 9 und 11. Für den Dativ ist uns keine Stelle bekannt. Für den Accus, ist nur Pascha zu gebrauchen; denn Pascham steht nur in dem Gedicht unter Tert. Namen adv. Marc. 2, 80; 285, vgl. Neue- Wagener3 I S. 866, Schepss im Archiv III S. 314, Schmidt lat. Tert. S. 35, Fürtner Progr. Landshut 1885 S. 19. S. darüber Vulg. Matth. 26, 19, Marc. 14, 12, Luc. 22, V. 7, 8 und 11, August, opp. X S. 11 und IX S. 596, Hier. epp. 96, 20 und Tertull. adv. Marc. 4, 40 (dreimal) und adv. Jud. 10 g. E., Ambros. ed Migne I S. 281 und sonst. Der Abl.: in Pascha steht Vulg. bei Joann. 2, 23; 18, 29 und Hier. opp. II S. 92, G. Daneben findet sich auch die Flexion Paschatis, z. B. Paschate vicino bei Hieron. comment. in Matth. 26, 3 und de futuro Paschate esto sollicitus, Leo M. epp. 131, 2. Im Plural bleibt die als Neutrum behandelte Form des Singul. Pascha entweder auch als indeklinables Fremdwort unverändert, wie tria Pascha bei Hier, in Jesaj. 1. 9, c. 29, opp. V, V. 1 — 8 S. 56, B., oder es wird als Neutrum der dritten Deklination flektiert: per tria Paschata, Hier, in Dan. 9, 24, opp. V S. 275. Ganz selten ist das Femin., z. B. Pascharum bei Priscillian, vgl. Schepss im Archiv III S. 314. — N. L. ist der Name Paschalia, welcher neben den alten heidnischen Festnamen auf alia nicht zu verwerfen ist, zumal da das Adj. paschalis gebräuchlich war, vgl. Rönsch Coli. phil. S. 41.

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Re: Pascha

Beitragvon medicus » Di 29. Mär 2016, 12:53

Danke an alle Disputanten, dann merke ich mir für nächstes Jahr vor und werde "hilare Pascha "wünschen :D
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Re: Pascha

Beitragvon marcus03 » Di 29. Mär 2016, 14:11

consus hat geschrieben:Commodianus (5. Jh.?).


Zur Datierung von Commodian:

https://books.google.de/books/about/Bei ... edir_esc=y
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Re: Pascha

Beitragvon iurisconsultus » Di 29. Mär 2016, 14:31

gratias maximas tibi ago, mi doctissime conse! :hail:

Wenn ich dich richtig verstehe, besteht zwar im Sing (auch) dem "Antibarbarus" gemäß - mit Ausnahme des Nom und Acc - ein Wahlrecht zwischen 1. Deklination und 3. Deklination Neutrum: pascha, n (Nom), paschatis, n / paschae, f (Gen), pascha, n (Acc), paschate, n / pascha, f (Abl). Die feminine Beugung ist aber vulgärlateinisch und daher nicht die erste Wahl.
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Re: Pascha

Beitragvon Prudentius » Di 29. Mär 2016, 17:03

Es ist noch soviel Interessantes zu vermerken!

"pas-cha" als gr. Vokabel nennt man Hebraismus, davon gibt es ja viele in der gr. Bibel.

- Warum Neutrum?
Die Umsetzung "pesach - pascha" ist ja keine Übersetzung, sondern eine Art Transkription; aber das transkribierte Lautgebilde "pesach" muss erst für das Gr. aussprechbar gemacht werden; es gibt ja im Gr. nur ganz bestimmte Wortausgänge, -ach gehört nicht dazu; also wird das -a- nach hinten gesetzt, pascha; dann muss dieses Neu-Wort irgendwie als Substantiv in eine der vorhandenen Formkategorien eingeordnet werden; dafür kommt überwiegend das Neutrum in Frage, es gibt eine große Gruppe von Nomina auf -ma, wie mathema, problema, thema; so bietet es sich an, das Wort hier einzuordnen.

- Warum im L. feminin?

Im L. gibt es diese Gruppe von Neutra auf -a gar nicht, stattdessen ist das Femininum für diese typisch; so wird zweckmäßigerweise pascha feminin.

- Genuszuweisungen

Das Genus der Substantive ist meist eine Konvention, d.h. eine willkürliche Zuweisung; das Genus ist aber eine wichtige Voraussetzung für die Syntax, damit nämlich die Kongruenz funktionieren kann.
Konventionen gehen auf eine Stiftung zurück, also auf verbindliche Festlegung.
Für so einen Neuankömmling besteht aber keine Konvention - folglich stehen wir beim Genus-Gebrauch im Nebel :-o .

- Septuaginta

Diese wurde ab dem 2. Jh. v.Chr. in Alexandrien in Ägypten geschaffen, es gab dort eine große jüdische Gemeinde, die nicht mehr hebräisch verstand; so bekam die Thora ein gr. Gewand übergezogen, und dabei blieb es nicht, der gr. Geist drang ins Judentum ein, und der jüdische in den Hellenismus; Jesus und Paulus waren irgendwie hellenisch beeinflusst.
Die Juden nahmen damals gr. Namen an, denkt an König Herodes, in Alexandrien gab es den Philosophen Philon.

- Alexandrien

Das war die Geburtsstätte der Altphilogie, an dem "Museion", der berühmten Bibliothek, wirkten die Gründungsväter der Philologie und Textkritik, z.B. Aristophanes von Byzanz.
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